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Interview mit Marianne Rosenberg

„Auf einer Insel hab ich noch nie Gespielt“
I`m a Woman – Marianne Rosenberg singt Jazz und Chansons


Am 12.7.08 werden Sie beim Inselleuchten in Marienwerder auf der Insel an der Leesenbrücker Schleuse ein Konzert geben. Kennen Sie den Landkreis Barnim und haben Sie schon einmal auf einer Insel gesungen?

M.R.: Den Landkreis Barnim kenne ich als Berlinerin natürlich gut, man will ja auch mal raus aus der Stadt. Und da zieht es mich gerne in die Uckermark oder in die Schorfheide. Auf einer Insel hab ich aber noch nie gespielt, jedenfalls noch nicht auf einer, die für ein Konzert so toll illuminiert wird. Darauf freue ich mich.


Das Publikum wird bei diesem Konzert eine ganz neue Seite von Ihnen kennen lernen, denn Sie treten unter dem Titel „I‘m a Woman“ mit einem Jazz & Chansonprogramm auf. Wie ist es zur Hinwendung zu diesen musikalischen Stilen gekommen? Gab es dafür einen Auslöser?

M.R.: Die Musik auf meiner Jazz-CD „I‘m a Woman“ begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Wenn ich die Plattensammlung meines Vaters durchforstet habe, dann fand ich dort Cole Porter neben Nina Simone. Vor etwa 5 Jahren habe ich dann einen alten Traum

 

endlich wahr gemacht und diese Musik auch selbst auf die Bühne gebracht. Die Fans waren überhaupt nicht schockiert, sondern begeistert und haben mich bei vielen Konzerten begleitet und immer wieder nach einer CD gefragt. Es hat etwas gedauert, weil immer wieder was anderes dazwischen kam, aber nun gibt es diese Musik von mir auch auf CD.


Wie sind Sie bei der Auswahl der Lieder für Ihr neues Programm vorgegangen? Sind es Lieblingslieder, die Sie womöglich schon immer mal singen wollten?

M.R.: Genau so ist es. Lieder, die ich schon immer einmal auf einer Bühne singen wollte. Lieder, die ich schon als kleines Mädchen kannte. Lieder, die ich gesungen habe bevor man mich kannte.


Haben Sie im Jazz- und Chansonbereich musikalische Vorbilder?

M.R.: Vorbilder nicht direkt, aber Musikerinnen, die ich verehre. Dazu gehört natürlich Peggy Lee, von ihr ist der Titelsong: „I´m a woman“. Sie steht jedoch nicht unbedingt für Jazz. Im Jazz gehören Billie Holliday und Ella Fitzgerald zu meinen absoluten Göttinnen und ich liebe Chet Baker, der auf manchen Alben auch sang. Sein Gesang ist so einzigartig wie das Spiel seiner Trompete.


Haben Sie die „Welt des Pop oder des Schlagers“ nun hinter sich gelassen?

M.R.: Keinesfalls. Das wäre ja auch schade. Ich arbeite gerade wieder an einem neuen Popalbum. Außerdem trete ich schon am 2. August wieder mit meiner Pop-Band am Fleesensee im Rahmen der NDR-Sommertour auf. Das ist gar nicht so weit von hier.


Die Hinwendung zum Jazz oder zum Chanson bedeutet ja auch in Konzerten eine stärkere Nähe zum Publikum. Es bleibt nicht mehr so anonym wie bei den großen Konzerten. Ist Ihnen das angenehm?

M.R.: Ja, ich mag das sehr. Ich bekomme die Reaktion des Publikums auf die Musik und auch ganz stark auf die Songtexte mit. Das ist für mich das wichtigste überhaupt, dieser Austausch, der Spiegel auf meine Arbeit. Ich habe ja auch in dem Jazz-Repertoire viele Texte und einige der Musikstücke selbst geschrieben. Erst das Publikum entscheidet, ob das gute Songs geworden sind. Es kann einem Titel Leben einhauchen – oder auch nicht. In so fern habe ich auf meiner Jazztour in den letzten Monaten vom Publikum sehr viel Komplimente bekommen – und das ganz ohne Worte. Ich habe aber auch an Titeln weitergearbeitet, wenn ich feststellte, dass sie nicht durchkommen, den Hörer nicht wirklich erreichen. Die Menschen, die gekommen sind um mir zu zuhören, sind mein wichtigsten Kritiker. Diese Menschen sind authentisch und gehen vom wirklichen Musikgeschehen des Augenblicks aus. Das nehme ich sehr ernst.


Seit Ihrem 13. Lebensjahr stehen Sie auf Konzertbühnen. Gab es Zeiten, da Sie gern einen ganz anderen Weg gegangen wären, einen anderen Beruf ergriffen hätten?

M.R.: Manches Mal habe ich mich sicher schon gefragt ob es eine richtige Entscheidung war, Musikerin zu werden. Aber die Musik hat mich immer wieder eingefangen und festgehalten. Das ist schwer zu beschreiben, aber da gibt es etwas, das mehr ist, als eine Leidenschaft. In sofern hatte ich wohl keine andere Chance (lacht).


Am 12. Juli zum „Inselleuchten“ werden Sie gemeinsam mit dem Schauspieler Axel Prahl auf der Bühne stehen. Axel Prahl (alias Tatort Kommissar Thiel) wird zum einen den Abend moderieren, zum anderen aber auch Songs von Rio Reiser singen, mit dem Sie lange Jahre befreundet waren und gearbeitet haben. Schauen Sie sich manchmal den TATORT an?

M.R.: Na klar, ich mag auch Axel Prahl und dass er Songs von Rio Reiser singt, wusste ich gar nicht. Toll, ich bin gespannt und freue mich darauf.

Könnten Sie sich vorstellen, spontan, wenn die Stimmung so ist, mit Axel Prahl gemeinsam einen Rio Reiser Song zu singen??

M.R.: Oh, das wäre selbstverständlich zunächst auch eine Frage der Tonarten. Rio und ich mussten bei gemeinsamen Auftritten, bei denen wir zusammen Songs von ihm sangen, auch immer Kompromisse machen. Frauen- und Männertonarten liegen in der Regel weit auseinander und eine oder einer hat dann immer ein wenig das Nachsehen. Ich bin gespannt welche Songs Axel Prahl aus dem recht großen Repertoire ausgewählt hat und ob auch Ton-Steine-Scherben-Songs dabei sind.

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