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endlich wahr gemacht und diese Musik auch selbst auf die Bühne
gebracht. Die Fans waren überhaupt nicht schockiert, sondern
begeistert und haben mich bei vielen Konzerten begleitet und immer
wieder nach einer CD gefragt. Es hat etwas gedauert, weil immer
wieder was anderes dazwischen kam, aber nun gibt es diese Musik
von mir auch auf CD.
Wie sind Sie
bei der Auswahl der Lieder für Ihr neues Programm vorgegangen?
Sind es Lieblingslieder, die Sie womöglich schon immer mal
singen wollten?
M.R.: Genau so ist es. Lieder, die ich schon immer
einmal auf einer Bühne singen wollte. Lieder, die ich schon
als kleines Mädchen kannte. Lieder, die ich gesungen habe bevor
man mich kannte.
Haben Sie im Jazz- und Chansonbereich
musikalische Vorbilder?
M.R.: Vorbilder nicht direkt, aber Musikerinnen,
die ich verehre. Dazu gehört natürlich Peggy Lee, von
ihr ist der Titelsong: „I´m a woman“. Sie steht
jedoch nicht unbedingt für Jazz. Im Jazz gehören Billie
Holliday und Ella Fitzgerald zu meinen absoluten Göttinnen
und ich liebe Chet Baker, der auf manchen Alben auch sang. Sein
Gesang ist so einzigartig wie das Spiel seiner Trompete.
Haben Sie die „Welt des Pop oder
des Schlagers“ nun hinter sich gelassen?
M.R.: Keinesfalls. Das wäre ja auch schade.
Ich arbeite gerade wieder an einem neuen Popalbum. Außerdem
trete ich schon am 2. August wieder mit meiner Pop-Band am Fleesensee
im Rahmen der NDR-Sommertour auf. Das ist gar nicht so weit von
hier.
Die Hinwendung zum Jazz oder zum Chanson
bedeutet ja auch in Konzerten eine stärkere Nähe zum Publikum.
Es bleibt nicht mehr so anonym wie bei den großen Konzerten.
Ist Ihnen das angenehm?
M.R.: Ja, ich mag das sehr. Ich bekomme die Reaktion
des Publikums auf die Musik und auch ganz stark auf die Songtexte
mit. Das ist für mich das wichtigste überhaupt, dieser
Austausch, der Spiegel auf meine Arbeit. Ich habe ja auch in dem
Jazz-Repertoire viele Texte und einige der Musikstücke selbst
geschrieben. Erst das Publikum entscheidet, ob das gute Songs geworden
sind. Es kann einem Titel Leben einhauchen – oder auch nicht.
In so fern habe ich auf meiner Jazztour in den letzten Monaten vom
Publikum sehr viel Komplimente bekommen – und das ganz ohne
Worte. Ich habe aber auch an Titeln weitergearbeitet, wenn ich feststellte,
dass sie nicht durchkommen, den Hörer nicht wirklich erreichen.
Die Menschen, die gekommen sind um mir zu zuhören, sind mein
wichtigsten Kritiker. Diese Menschen sind authentisch und gehen
vom wirklichen Musikgeschehen des Augenblicks aus. Das nehme ich
sehr ernst.
Seit Ihrem 13. Lebensjahr stehen Sie auf
Konzertbühnen. Gab es Zeiten, da Sie gern einen ganz anderen
Weg gegangen wären, einen anderen Beruf ergriffen hätten?
M.R.: Manches Mal habe ich mich sicher schon gefragt
ob es eine richtige Entscheidung war, Musikerin zu werden. Aber
die Musik hat mich immer wieder eingefangen und festgehalten. Das
ist schwer zu beschreiben, aber da gibt es etwas, das mehr ist,
als eine Leidenschaft. In sofern hatte ich wohl keine andere Chance
(lacht).
Am 12. Juli zum „Inselleuchten“
werden Sie gemeinsam mit dem Schauspieler Axel Prahl auf der Bühne
stehen. Axel Prahl (alias Tatort Kommissar Thiel) wird zum einen
den Abend moderieren, zum anderen aber auch Songs von Rio Reiser
singen, mit dem Sie lange Jahre befreundet waren und gearbeitet
haben. Schauen Sie sich manchmal den TATORT an?
M.R.: Na klar, ich mag auch Axel Prahl und
dass er Songs von Rio Reiser singt, wusste ich gar nicht. Toll,
ich bin gespannt und freue mich darauf.
Könnten Sie sich vorstellen, spontan,
wenn die Stimmung so ist, mit Axel Prahl gemeinsam einen Rio Reiser
Song zu singen??
M.R.: Oh, das wäre selbstverständlich
zunächst auch eine Frage der Tonarten. Rio und ich mussten
bei gemeinsamen Auftritten, bei denen wir zusammen Songs von ihm
sangen, auch immer Kompromisse machen. Frauen- und Männertonarten
liegen in der Regel weit auseinander und eine oder einer hat dann
immer ein wenig das Nachsehen. Ich bin gespannt welche Songs Axel
Prahl aus dem recht großen Repertoire ausgewählt hat
und ob auch Ton-Steine-Scherben-Songs dabei sind.
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